Bei einem normalen Immobiliengeschäft kann eine Maklerprovision bereits für Diskussionen sorgen. In der Welt der Superyachten bekommen selbst solche Streitigkeiten allerdings vollkommen andere Dimensionen.
Im Mittelpunkt steht die erst 2026 ausgelieferte Lürssen-Superyacht Nixie. Ihr Kaufpreis soll bei rund 350 Millionen Euro gelegen haben. Nun fordert der britische Yachtbroker Cecil Wright & Partners 17,5 Millionen Euro Provision vom Revolut-Mitgründer Nik Storonsky.
Das entspricht fünf Prozent des mutmaßlichen Kaufpreises.
Der Fall beschäftigt inzwischen den High Court in London. Storonskys Seite weist die Forderung zurück und bezeichnet sie als unbegründet. Eine gerichtliche Entscheidung gibt es bislang nicht.
Eine 102 Meter lange Yacht für rund 350 Millionen Euro
Allein das Schiff im Zentrum des Streits ist außergewöhnlich.
Die Nixie misst 102,4 Meter und wurde von der deutschen Traditionswerft Lürssen gebaut. Während der Bauphase war das Projekt unter dem Namen JASSJ bekannt; ausgeliefert wurde die Yacht im Juni 2026.
Für das Innen- und Außendesign zeichnet das britische Studio RWD verantwortlich.
Die Yacht verfügt über einen Stahlrumpf und Aluminiumaufbauten sowie einen diesel-elektrischen Antrieb mit Energiespeichersystem.
Doch interessanter als die technischen Daten dürfte für viele die Ausstattung sein.
Pool mit Glasboden und riesiger Beach Club
Zur Nixie gehört ein großer Swimmingpool mit Glasflächen sowie einer der größten Beach Clubs, die Lürssen bislang auf einer Yacht realisiert hat.
Werden die vier seitlichen Terrassen geöffnet, entsteht dort eine Fläche von rund 270 Quadratmetern unmittelbar am Wasser.
Davon nimmt allein das Fitnessstudio rund 144 Quadratmeter ein.
Und ein gewöhnliches Fitnessstudio wäre für eine Yacht dieser Größenordnung offenbar nicht genug: Zur Ausstattung gehört unter anderem eine Kältekammer für Kryotherapie.
Auf dem Sonnendeck befinden sich außerdem Sauna, Dampfbad, Massageraum und Schönheitssalon. Hinzu kommen Innen- und Außenkino sowie ein japanischer Teppanyaki-Grill.
Doch wer hat den Käufer zur Yacht gebracht?
Genau hier beginnt der juristische Teil der Geschichte.
Nach Darstellung von Cecil Wright & Partners hatte Storonskys Family Office den Broker ursprünglich kontaktiert, um Unterstützung beim Bau einer neuen Yacht zu erhalten.
Während dieses Neubauprojekt weiterlief, habe die Familie 2025 zusätzlich nach einer bereits existierenden Yacht gesucht, die in der Zwischenzeit genutzt werden könne.
Cecil Wright behauptet, daraufhin die damals noch im Bau befindliche Nixie identifiziert und Storonsky beziehungsweise dessen Vertreter mit dem Verkaufsangebot zusammengebracht zu haben.
Es folgten nach Darstellung des Brokers Gespräche, Besichtigungen und Verhandlungen.
Der Deal wurde schließlich ohne den Broker abgeschlossen
Der entscheidende Punkt der Klage: Der spätere Kauf soll schließlich direkt zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart worden sein.
Cecil Wright & Partners sieht sich dadurch aus der Transaktion ausgeschlossen und argumentiert, die eigene Arbeit sei die entscheidende Ursache dafür gewesen, dass der Verkauf überhaupt zustande kam.
Der Broker fordert deshalb eine Provision von fünf Prozent des Kaufpreises – rund 17,5 Millionen Euro.
Storonskys Family Office widerspricht.
Ein Sprecher erklärte, man kenne die Forderung, halte sie jedoch für unbegründet und werde sich dagegen verteidigen.
Damit ist ausdrücklich festzuhalten: Bislang handelt es sich um Behauptungen der klagenden Seite. Ein Gericht hat noch nicht entschieden, ob tatsächlich ein Provisionsanspruch besteht.
Was bedeutet „effective cause“?
Der Fall könnte über die konkrete Yacht hinaus für die Branche interessant werden.
Im Zentrum steht der juristische Begriff „effective cause“ – vereinfacht die Frage, ob die Tätigkeit eines Maklers ursächlich dafür war, dass ein Geschäft zustande kam.
Eine reine Vorstellung von Käufer und Verkäufer reicht dafür nicht zwangsläufig aus. Andererseits kann ein Makler auch dann einen Provisionsanspruch geltend machen, wenn Käufer und Verkäufer die letzten Verhandlungen anschließend ohne ihn führen.
Entscheidend sind unter anderem Verträge, Kommunikation und der tatsächliche Verlauf der Verhandlungen.
Bei gewöhnlichen Geschäften mag diese Frage trocken klingen.
Bei einem Kaufpreis von 350 Millionen Euro entscheidet sie allerdings darüber, ob eine Rechnung über 17,5 Millionen Euro bezahlt werden muss.
Schon die Provision kostet so viel wie eine Luxusyacht
Und genau diese Größenordnung macht den Fall für Luxus-Nachrichten besonders bemerkenswert.
Für die vom Broker geforderten 17,5 Millionen Euro ließe sich bereits eine stattliche Luxusyacht kaufen. Hier geht es lediglich um die mutmaßliche Provision für die Vermittlung eines einzelnen Schiffes.
Die Nixie selbst gehört mit einem berichteten Transaktionswert von rund 350 Millionen Euro ohnehin zu einer vollkommen anderen Liga.
Ob Cecil Wright & Partners tatsächlich Anspruch auf seine Millionenprovision hat, muss nun das Gericht klären.
Fest steht schon jetzt: Wenn selbst die Maklerrechnung 17,5 Millionen Euro beträgt, bekommt der Begriff „Luxusproblem“ eine ziemlich neue Bedeutung.
Quelle: Megayacht News / Gerichtsunterlagen und internationale Berichterstattung.
Aktuelle ausführliche Einordnung bei Megayacht News vom 1. September 2026
