Privatjet statt Business Class, Yacht statt Kreuzfahrtschiff und private Villa statt Hotelsuite: Im obersten Segment des Reisemarktes verändert sich derzeit offenbar die Definition von Luxus.
Für besonders vermögende Reisende geht es zunehmend nicht mehr darum, einfach das teuerste Hotelzimmer oder die größte Suite zu buchen. Das wirklich knappe Gut ist etwas anderes:
Zeit.
Eine aktuelle Analyse des internationalen Luxusreisemarktes beschreibt Reisen im Wert von bis zu 225.000 US-Dollar, bei denen ein erheblicher Teil des Preises dafür bezahlt wird, Wartezeiten, Transfers und organisatorischen Aufwand praktisch verschwinden zu lassen.
Der Privatjet spart nicht nur Zeit am Flughafen
Ein besonders deutliches Beispiel sind Privatflüge.
Der Vorteil eines Privatjets besteht für wohlhabende Kunden längst nicht ausschließlich aus Ledersesseln, Champagner und Privatsphäre.
Entscheidender ist die Möglichkeit, kleinere Flughäfen zu nutzen, Sicherheits- und Boardingprozesse erheblich zu verkürzen und Abflugzeiten an den eigenen Tagesablauf anzupassen.
Bei einer Reise mit mehreren Zielen kann daraus ein erheblicher Zeitgewinn entstehen.
Und genau dieser Zeitgewinn wird zum eigentlichen Luxusprodukt.
225.000 Dollar für mehrere Wochen Freiheit
Die aktuelle Analyse nennt als Beispiel eine rund 225.000 Dollar teure Reise, die verschiedene Formen des Ultra-Luxus-Reisens miteinander kombiniert.
Dabei kann es sich um mehrere Wochen mit privaten Transfers, exklusiven Unterkünften, kleinen Luxusschiffen und individuell organisierten Erlebnissen handeln.
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Luxusreise besteht dabei weniger darin, dass jeder einzelne Bestandteil möglichst teuer sein muss.
Stattdessen wird die komplette Reise so organisiert, dass möglichst wenig Zeit mit Warten, Umsteigen, Check-ins und Planung verloren geht.
Mehr Platz und weniger Menschen
Parallel dazu zeichnet sich ein zweiter Trend ab.
Luxusreiseanbieter investieren zunehmend in Produkte, bei denen bewusst weniger Menschen mehr Platz bekommen.
Neue Luxusschiffe werden beispielsweise größer, ohne die Passagierzahl im gleichen Verhältnis zu erhöhen. Resorts setzen auf private Villen statt zusätzliche Hotelzimmer und Fluggesellschaften vergrößern den Anteil ihrer Premiumkabinen.
Das Ergebnis ist eine interessante Umkehrung der klassischen Tourismuslogik.
Während im Massenmarkt möglichst viele Menschen möglichst effizient transportiert und untergebracht werden sollen, funktioniert das oberste Luxussegment zunehmend nach dem entgegengesetzten Prinzip:
Je weniger andere Gäste, desto wertvoller das Produkt.
Die private Residenz ersetzt die Präsidentensuite
Das erklärt auch den Boom luxuriöser Ferienresidenzen.
Wer mehrere Wochen verreist, möchte sich nicht zwangsläufig dauerhaft wie ein Hotelgast fühlen. Große Villen und private Residenzen bieten eigene Küchen, Pools, mehrere Schlafzimmer und Personal – gleichzeitig können die Gäste auf die Dienstleistungen eines Luxusresorts zurückgreifen.
Genau dieses Konzept haben wir beispielsweise auch bei der aktuellen Millionen-Renovierung des Carlisle Bay auf Antigua gesehen.
Das Hotel versucht seine größten Suiten bewusst stärker wie private Häuser am Meer wirken zu lassen.
Kleine Luxusschiffe profitieren ebenfalls
Auch auf dem Wasser zeigt sich die Entwicklung.
Während klassische Kreuzfahrtschiffe mehrere Tausend Passagiere aufnehmen können, setzen Anbieter im Ultra-Luxussegment auf wesentlich kleinere Schiffe beziehungsweise große Yachten.
Die Logik dahinter ähnelt der des Privatjets: kleinere Häfen, flexiblere Routen und weniger Zeit in großen Terminals.
Dazu kommt ein wesentlich höheres Verhältnis von Crewmitgliedern zu Gästen.
Luxus wird unsichtbarer
Damit verändert sich auch das klassische Statussymbol.
Eine goldene Uhr oder ein Supersportwagen ist für Außenstehende sofort sichtbar.
Dass jemand dagegen drei Wochen lang nirgendwo warten musste, sieht niemand.
Gerade deshalb passt der Trend zu einer Entwicklung, die bereits seit einigen Jahren im Luxusmarkt zu beobachten ist: Wohlhabende Kunden investieren stärker in Privatsphäre, individuelle Erlebnisse und Dienstleistungen, deren Wert für Außenstehende kaum erkennbar ist.
Die teuerste Leistung besteht dann möglicherweise nicht darin, einem Gast möglichst viel zu bieten.
Sondern darin, ihm möglichst viel von etwas zurückzugeben, das selbst Milliarden nicht unbegrenzt kaufen können:
seine eigene Zeit.
