Uhren & Schmuck

Oktopus aus Glas und Schlange aus 200 Federn: Vacheron Constantin macht Uhren zu Kunstwerken

Was passiert, wenn eine der traditionsreichsten Schweizer Uhrenmanufakturen Künstler ans Werk lässt, die normalerweise überhaupt keine Uhren bauen? Bei Vacheron Constantin entstehen daraus sechs außergewöhnliche Einzelstücke – mit einem Oktopus aus Glas, winzigen Origami-Mantarochen, einer Schlange aus mehr als 200 Federstücken und einem Tiger aus Golddraht.

Die neue Serie trägt den Namen „Métiers d’Art Tribute to the Animal Kingdom“ und ist Teil des „One of Not Many Crafts Programme“ von Vacheron Constantin.

Für das Projekt wurden sechs Kunsthandwerker eingeladen, ihre jeweiligen Techniken erstmals auf die winzigen Dimensionen eines Zifferblatts zu übertragen.

Nur vier Millimeter Platz für die Kunst

Die Herausforderung wird deutlich, wenn man sich die Dimensionen vor Augen führt.

Alle sechs Uhren besitzen ein 42 Millimeter großes Gehäuse. Zwischen Zifferblatt und Saphirglas standen den Künstlern jedoch nur ungefähr vier Millimeter Höhe für ihre dreidimensionalen Kunstwerke zur Verfügung.

Techniken, die normalerweise bei wesentlich größeren Objekten eingesetzt werden, mussten deshalb teilweise komplett neu gedacht werden.

Für einige Modelle wurden sogar spezielle Werkzeuge entwickelt.

Ein Oktopus aus Glas

Eines der spektakulärsten Exemplare trägt den Namen Glassoctopus.

Auf dem dunkelblauen Zifferblatt sitzt ein vollständig von Hand geformter transparenter Glas-Oktopus.

Gerade einmal 3,5 Millimeter darf die Skulptur über das Zifferblatt hinausragen.

Der Glaskünstler Simone Crestani formte dafür winzige Glasstäbe Stück für Stück. Selbst die Saugnäpfe der Tentakel wurden einzeln gestaltet.

Die Entwicklung war offenbar alles andere als einfach: Mehr als ein Jahr und zahlreiche Prototypen waren notwendig, bis das Ergebnis funktionierte.

Mehr als 200 Federstücke für eine Schlange

Noch arbeitsintensiver ist Feathersnake.

Die Schlange auf dem Zifferblatt besteht aus mehr als 200 winzigen Federstücken. Verwendet wurden unter anderem Federn des Himalaya-Glanzfasans sowie Gänsefedern für die umgebende Landschaft.

Um die mikroskopisch kleinen Elemente überhaupt bearbeiten zu können, musste Künstler Julien Vermeulen eigene Werkzeuge entwickeln.

Unter anderem entstand ein Miniaturskalpell aus einer umgearbeiteten Nadel.

Inklusive Entwicklung und Prototypen flossen rund 250 Arbeitsstunden in das Zifferblatt.

Ein Tiger wird mit Gold gestickt

Bei Tigerbroidery kommt eine Technik zum Einsatz, die man bei einer mechanischen Luxusuhr kaum erwarten würde: Stickerei.

Der Tiger wird unter anderem aus 9-karätigem Gelb- und Weißgolddraht gefertigt.

Für die schwarzen Streifen entwickelte man zusätzlich spezielle keramisch beschichtete Drähte.

Gestickt wird auf Seide und Baumwolle, die wiederum auf einer Titanplatte befestigt sind.

Origami-Mantarochen im Miniaturformat

Fast schon absurd klein wird es bei Oraygami.

Sechs Mantarochen aus japanischem Papier scheinen über einem tiefblauen Zifferblatt zu schweben.

Die einzelnen Tiere messen lediglich etwa fünf bis zehn Millimeter.

Trotz dieser winzigen Größe werden sie tatsächlich von Hand gefaltet.

Für einen einzigen der kleinen Mantarochen können dabei bis zu sechs Stunden Arbeit notwendig sein.

Krokodil aus Papier und Falke aus Holz

Die beiden übrigen Uhren setzen das ungewöhnliche Konzept fort.

Papercroc zeigt ein weißes Krokodil, das aus Baumwollpapier aufgebaut wird. Dabei kommen unter anderem Prägen, Laserschneiden und anschließend die Montage von Hand zum Einsatz.

Die fertige Skulptur ist lediglich rund drei Millimeter hoch.

Bei Woodenwings wiederum besteht ein dreidimensionaler Falke aus verschiedenen Holzarten. Klassische Werkzeuge waren für die winzigen Bauteile teilweise zu groß, weshalb unter anderem chirurgische Skalpelle und eigens entwickelte Schleifwerkzeuge eingesetzt werden mussten.

Keine klassischen Zeiger

Damit die Kunstwerke nicht von Stunden- und Minutenzeigern verdeckt werden, verwendet Vacheron Constantin eine ungewöhnliche Zeitanzeige.

Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber 2460 G4.

Stunden, Minuten, Wochentag und Datum erscheinen in vier kleinen Fenstern am äußeren Rand des Zifferblatts.

Dadurch bleibt das komplette Zentrum für das jeweilige Kunstwerk frei.

Das aus 237 Komponenten bestehende Manufakturwerk bietet eine Gangreserve von rund 40 Stunden.

Auch die Rückseite wurde dem Thema angepasst: Ein Rotor aus 22-karätigem Gold trägt handgravierte Motive, die von den Werkzeugen der beteiligten Künstler inspiriert sind.

Sechs Uhren, die es so nur einmal gibt

Wer jetzt nach dem Preis fragt, bekommt keine einfache Antwort.

Die sechs Modelle sind keine gewöhnlichen Serienuhren, sondern einzigartige Konzeptstücke. Einen regulären Verkaufspreis nennt Vacheron Constantin nicht.

Damit verschwimmt bei der „Tribute to the Animal Kingdom“ endgültig die Grenze zwischen Luxusuhr und Kunstobjekt.

Und vermutlich ist genau das der Sinn des Projekts.

Denn während sich bei vielen Luxusuhren die Frage stellt, welches Material, welche Komplikation oder welcher Edelstein den nächsten Unterschied machen soll, geht Vacheron Constantin einen völlig anderen Weg:

Warum nicht einfach einen Oktopus aus Glas auf das Zifferblatt setzen?

Offizielle Bilder: Vacheron Constantin – Hommage an das Tierreich

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