118 Superyachten mit einem geschätzten Gesamtwert von 4,5 Milliarden Euro, schwimmende Luxusresidenzen mit Hubschrauberlandeplätzen und Millionenpreise für eine einzige Charterwoche: Die Monaco Yacht Show 2026 bot einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der Superreichen. Doch während die Yachten immer größer und aufwendiger werden, wächst auch die Kritik an ihren enormen Umweltbelastungen.
Eine am 20. Oktober 2026 veröffentlichte Reportage der britischen Zeitung The Guardian beleuchtet die außergewöhnlichen Dimensionen des internationalen Superyacht-Geschäfts und zeigt, welche Kosten mit dem exklusiven Lebensstil auf dem Wasser verbunden sind.
118 Superyachten im Wert von 4,5 Milliarden Euro
Vom 23. bis 26. September 2026 verwandelte sich der Hafen Port Hercule in Monaco in eine der teuersten Ausstellungen der Welt.
Insgesamt 118 Superyachten mit einer Gesamtlänge von rund 5,5 Kilometern waren vertreten. Ihr geschätzter Wert belief sich auf 4,5 Milliarden Euro. Rund 30.700 Besucher kamen zur Veranstaltung.
Neben den Schiffen selbst präsentierten zahlreiche Aussteller luxuriöse Ausstattung und Freizeitangebote für das Leben auf See. Dazu gehörte beispielsweise ein transportabler Golfsimulator mit einem Preis von rund 170.000 Euro.
135 Millionen Euro für eine gebrauchte Superyacht
Zu den auffälligsten Angeboten gehörte die 76,5 Meter lange Superyacht Boardwalk V.
Das 2021 gebaute Schiff wurde auf der Messe für 135 Millionen Euro angeboten. Zuvor war der Angebotspreis um 14 Millionen Euro reduziert worden.
Eigentümer ist der US-Milliardär Tilman Fertitta, der unter anderem durch Beteiligungen an Restaurants, Hotels und Casinos bekannt wurde.
Das Beispiel zeigt, welche Summen selbst auf dem Gebrauchtmarkt für außergewöhnliche Superyachten verlangt werden.
2,4 Millionen Euro für eine Woche auf der Nixie
Noch exklusiver ist die 102 Meter lange Superyacht Nixie der deutschen Werft Lürssen.
Das Schiff verfügt unter anderem über einen Hubschrauberlandeplatz, einen Infinitypool mit Glasboden und einen eigenen Wellnessbereich. Eine 34-köpfige Crew kümmert sich um den Betrieb und die Gäste.
Wer die Yacht chartern möchte, muss laut dem Guardian-Bericht mit rund 2,4 Millionen Euro pro Woche rechnen.
Damit kostet bereits ein siebentägiger Aufenthalt mehr als viele hochwertige Immobilien.
Immer größere Yachten trotz sinkender Neubauzahlen
Die Nachfrage nach besonders großen Yachten bleibt hoch.
Laut dem Global Order Book 2026 von BOAT International befanden sich weltweit 1.093 Yachten mit mindestens 24 Metern Länge im Bau.
Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es noch 755 Projekte.
Zwar ist die Zahl der laufenden Bauprojekte gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Gleichzeitig steigen jedoch die durchschnittliche Länge und das Volumen der Schiffe.
Der Trend geht damit zu größeren, technisch aufwendigeren und individuelleren Yachten.
Enorme CO₂-Emissionen sorgen für Kritik
Die exklusiven schwimmenden Residenzen haben allerdings auch eine erhebliche ökologische Schattenseite.
Eine Untersuchung der Entwicklungsorganisation Oxfam aus dem Jahr 2024 betrachtete 23 Superyachten im Besitz von Milliardären.
Demnach verursachten die untersuchten Schiffe durchschnittlich rund 5.672 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Zum Vergleich: Nach Berechnungen der Organisation würde ein durchschnittlicher Mensch weltweit etwa 860 Jahre benötigen, um dieselbe Menge an CO₂ auszustoßen.
Die Emissionen entstehen nicht nur während der Fahrt. Auch vor Anker benötigen große Yachten erhebliche Energiemengen für Klimaanlagen, Beleuchtung, Küchen, Pools und weitere technische Anlagen.
Hinzu kommen mögliche Schäden an empfindlichen Meeresökosystemen durch Anker und Ankerketten.
Fast eine Million Euro für eine Tankfüllung
Besonders eindrucksvoll verdeutlicht die 111 Meter lange Superyacht Leviathan die Dimensionen moderner Luxusschiffe.
Das Schiff gehört Gabe Newell, dem Mitgründer des Videospielunternehmens Valve.
Neben einem Pool bietet die Yacht unter anderem ein Freiluftkino, einen Basketballplatz und einen großzügigen Gamingbereich.
Obwohl die Leviathan über einen dieselelektrischen Hybridantrieb und Batteriespeicher verfügt, fasst ihr Kraftstofftank rund 494.000 Liter.
Eine vollständige Tankfüllung könnte nach der Berechnung des Guardian rund eine Million Euro kosten. Der tatsächliche Betrag hängt vom jeweiligen Kraftstoffpreis ab.
Luxusbranche sucht nach umweltfreundlicheren Lösungen
Auch die Yachtindustrie beschäftigt sich zunehmend mit ihrem ökologischen Fußabdruck.
Auf der Monaco Yacht Show wurden unter anderem alternative Materialien, effizientere Antriebssysteme und Maßnahmen zum Schutz mariner Lebensräume vorgestellt.
Im Rahmen der Blue Wake Awards wurden sechs Lösungen für mehr Nachhaltigkeit ausgezeichnet.
Kritiker bezweifeln allerdings, dass technische Verbesserungen allein ausreichen, solange die Schiffe immer größer werden und ihr Energiebedarf entsprechend steigt.
Ein Milliardengeschäft zwischen Exklusivität und Verantwortung
Die Monaco Yacht Show 2026 verdeutlicht, dass die Superyachtbranche weiterhin zu den außergewöhnlichsten Segmenten des globalen Luxusmarktes gehört.
Millionenteure Ausstattung, individuell entworfene Innenräume und immer größere Schiffe setzen neue Maßstäbe.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Werften und Eigentümer, den Energieverbrauch und die Umweltfolgen zu reduzieren.
Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet deshalb nicht nur, wie groß und exklusiv eine Superyacht werden kann, sondern auch, wie sich dieser Luxus mit einem verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen vereinbaren lässt.
