Historische Haute Couture erreicht Preisregionen, die bislang eher mit Gemälden, Oldtimern oder seltenen Uhren verbunden wurden: Bei der New Yorker Auktion „The Impossible Couture Collection“ ist ein von Naomi Campbell getragenes Ensemble von Alexander McQueen für 1,586 Millionen US-Dollar versteigert worden. Insgesamt erzielten die nur 23 angebotenen Lose 3,931 Millionen Dollar.
Die Auktion des Hauses Fair Warning zeigte eindrucksvoll, wie stark sich der Markt für bedeutende historische Mode entwickelt hat.
Im Mittelpunkt standen Entwürfe von Alexander McQueen, Yves Saint Laurent, John Galliano, Azzedine Alaïa, Elsa Schiaparelli, Paco Rabanne und weiteren bedeutenden Designern.
Alle angebotenen Lose fanden einen Käufer.
1,586 Millionen Dollar für Alexander McQueen
Das herausragende Stück des Abends stammte aus Alexander McQueens berühmter Frühjahr-/Sommerkollektion „Plato’s Atlantis“ von 2010.
Das versteigerte Ensemble war eine speziell angefertigte Version des ersten Looks der Kollektion und wurde von Supermodel Naomi Campbell getragen.
Zum Ensemble gehörten außerdem die außergewöhnlichen Armadillo-Schuhe, die zu den bekanntesten Entwürfen aus McQueens Karriere zählen.
Vor der Auktion war für das Paket ein Preis von 600.000 bis einer Million Dollar erwartet worden.
Das Ergebnis übertraf diese Schätzung deutlich:
1.586.000 US-Dollar.
Damit wurde ein neuer Auktionsrekord für ein Werk von Alexander McQueen erzielt.
Yves Saint Laurents Mondrian-Kleid erreicht 750.000 Dollar
Auch ein anderes Stück Modegeschichte sorgte für einen außergewöhnlichen Preis.
Ein Mondrian-Kleid von Yves Saint Laurent aus der Herbst-/Winterkollektion 1965/66 wurde für 750.000 Dollar verkauft.
Das geometrische Kleid gehört zu den bekanntesten Entwürfen des französischen Modeschöpfers und wurde durch die Werke des niederländischen Künstlers Piet Mondrian inspiriert.
Vor der Auktion war das Stück mit 200.000 bis 500.000 Dollar bewertet worden.
Auch hier lag der endgültige Verkaufspreis deutlich darüber.
Rekord auch für Azzedine Alaïa
Ein ärmelloses Abendkleid von Azzedine Alaïa erzielte 175.000 Dollar.
Ein weiteres Hooded Dress des Designers wurde für 150.000 Dollar verkauft.
Damit gehörten auch Alaïas Arbeiten zu den besonders gefragten Stücken der Auktion.
Dior-Schmuck von John Galliano erzielt 237.500 Dollar
Nicht nur Kleider sorgten für hohe Gebote.
Ein spektakuläres ägyptisch inspiriertes Skarabäus-Collier, das John Galliano für Dior entworfen hatte und das von Model Hana Soukupová getragen wurde, erzielte 237.500 Dollar.
Ein von John Galliano entworfenes Abendkleid, das zunächst von Kristen McMenamy auf dem Laufsteg und später von Madonna im Musikvideo zu „Take a Bow“ getragen wurde, kam auf 137.000 Dollar.
Damit spielte bei einigen Losen neben dem Designer auch die dokumentierte Geschichte des jeweiligen Kleidungsstücks eine entscheidende Rolle.
23 Lose bringen fast vier Millionen Dollar
Insgesamt erreichte „The Impossible Couture Collection“ einen Verkaufserlös von 3,931 Millionen Dollar.
Bemerkenswert ist dabei die geringe Zahl der angebotenen Objekte.
Lediglich 23 Lose bildeten die gesamte Auktion.
Rechnerisch entspricht das einem durchschnittlichen Ergebnis von mehr als 170.000 Dollar pro Los – wobei das McQueen-Ensemble den Durchschnitt natürlich erheblich nach oben zieht.
Wenn Mode zum Sammlerobjekt wird
Die Auktion zeigt eine interessante Entwicklung im internationalen Luxusmarkt.
Historische Mode wird zunehmend nicht nur als Kleidung betrachtet, sondern ähnlich wie Kunst, Designobjekte, Oldtimer oder seltene Uhren gesammelt.
Besonders begehrt sind Stücke, bei denen mehrere Faktoren zusammentreffen: ein bedeutender Designer, eine wichtige Kollektion, außergewöhnliche Seltenheit und eine dokumentierte Provenienz.
Wenn ein Kleidungsstück zusätzlich von einer berühmten Persönlichkeit getragen wurde oder einen besonderen Platz in der Modegeschichte besitzt, kann dies seine Attraktivität für Sammler zusätzlich erhöhen.
Haute Couture erreicht den Kunstmarkt
Genau diese Grenze wollte Fair Warning mit der Auktion bewusst verschieben.
Das 2020 von Loïc Gouzer gegründete Auktionshaus konzentrierte sich bislang vor allem auf Kunst. „The Impossible Couture Collection“ war der erste große Vorstoß des Hauses in den Bereich Mode.
Vor der Versteigerung wurden ausgewählte Stücke sogar noch einmal bei einer intimen Präsentation während der New York Fashion Week getragen und wie bei einer klassischen Couture-Schau präsentiert.
Die Botschaft dahinter ist deutlich:
Historisch bedeutende Mode soll nicht länger ausschließlich als Kleidung betrachtet werden.
Die Ergebnisse der Auktion zeigen zumindest, dass internationale Sammler bereit sind, für außergewöhnliche Stücke Preise zu zahlen, die längst im Bereich hochwertiger Kunst liegen.
Und mit 1,586 Millionen Dollar für einen einzigen McQueen-Look hat dieser Markt nun einen neuen spektakulären Referenzwert.
