Eine eigene Superyacht gehört zu den exklusivsten Luxusgütern überhaupt. Doch mit dem Kaufpreis ist es längst nicht getan. Crew, Treibstoff, Liegeplätze, Versicherungen und Wartung sorgen dafür, dass Jahr für Jahr erhebliche weitere Kosten entstehen.
Als grobe Orientierung gilt in der Yachtbranche: Die jährlichen Betriebskosten einer Superyacht können etwa 10 bis 15 Prozent ihres Kaufpreises erreichen. Bei einer Yacht im Wert von 20 Millionen Euro wären das rund zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr.
Doch woher kommen diese enormen Summen?
Was gilt überhaupt als Superyacht?
Eine weltweit einheitliche Definition gibt es nicht. Im Yachtmarkt wird der Begriff Superyacht jedoch üblicherweise für besonders große, professionell betriebene Luxusjachten verwendet. Mit zunehmender Länge steigt nicht nur der Kaufpreis. Auch Personalbedarf, Treibstoffverbrauch und technische Komplexität nehmen erheblich zu.
Gerade dieser Effekt macht einen Größenunterschied von einigen Metern finanziell wesentlich bedeutsamer, als es zunächst erscheinen mag.
Der Kaufpreis ist nur der Anfang
Der Markt reicht von gebrauchten Yachten für einige Millionen Euro bis zu Neubauten im dreistelligen Millionenbereich.
Wie groß die Spanne sein kann, zeigen reale Angebote aus dem Jahr 2026: Eine knapp 48 Meter lange Yacht wurde beispielsweise für 6,9 Millionen Euro angeboten. Eine fast 78 Meter lange, erst 2023 ausgelieferte Superyacht stand dagegen für 110 Millionen Euro zum Verkauf.
Entscheidend für den Preis sind neben Länge und Alter unter anderem Werft, Ausstattung, Zustand, Reichweite, Innenraumvolumen und technische Ausstattung.
Nach der Anschaffung beginnt allerdings der kostspielige Betrieb.
Faustregel: 10 bis 15 Prozent pro Jahr
Der internationale Yachtbroker Fraser nennt als Branchenrichtwert jährliche Betriebskosten von ungefähr 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises.
Daraus ergeben sich rein rechnerisch folgende Größenordnungen:
Kaufpreis 10 Mio. Euro:
etwa 1 bis 1,5 Mio. Euro laufende Kosten pro Jahr
Kaufpreis 20 Mio. Euro:
etwa 2 bis 3 Mio. Euro pro Jahr
Kaufpreis 50 Mio. Euro:
etwa 5 bis 7,5 Mio. Euro pro Jahr
Kaufpreis 100 Mio. Euro:
etwa 10 bis 15 Mio. Euro pro Jahr
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine feste Formel. Eine ältere Yacht mit hohem Wartungsbedarf kann wesentlich teurer sein. Ebenso macht es einen großen Unterschied, ob eine Yacht überwiegend in einer Region liegt oder regelmäßig große Distanzen zurücklegt.
Die Crew: einer der größten Kostenblöcke
Eine Superyacht funktioniert eher wie ein kleines schwimmendes Unternehmen als wie ein gewöhnliches Freizeitboot.
Benötigt werden je nach Größe beispielsweise:
Kapitän und Offiziere, Ingenieure und Techniker, Deckpersonal, Stewards und Stewardessen sowie Köche und weiteres Servicepersonal.
Bei mittelgroßen Superyachten können acht bis 15 Menschen dauerhaft beschäftigt sein. Auf deutlich größeren Schiffen steigt die Zahl entsprechend.
Zu den Gehältern kommen Kosten für Versicherungen, An- und Abreisen, Unterbringung, Weiterbildung, Zertifikate und teilweise Rotationssysteme.
Fraser nennt für einzelne Crewmitglieder – abhängig von Aufgabe und Erfahrung – Größenordnungen von etwa 40.000 bis deutlich über 150.000 Euro pro Jahr. Bei größeren Superyachten kann das gesamte Crewbudget eine Million Euro jährlich überschreiten.
Andere Branchenangaben verdeutlichen die Bedeutung dieses Postens zusätzlich: Burgess beziffert die Crewkosten auf ungefähr die Hälfte der jährlichen Betriebskosten einer Yacht.
Wartung und Reparaturen
Eine Superyacht besitzt eine enorme Menge komplexer Technik.
Motoren, Generatoren, Klimaanlagen, Wasseraufbereitung, Navigationssysteme, Stabilisatoren, Sicherheitstechnik und zahlreiche weitere Systeme müssen regelmäßig gewartet werden.
Hinzu kommen Arbeiten am Rumpf, Korrosionsschutz, Lackierungen und die regelmäßige Zeit im Trockendock.
Fraser nennt allein für Wartung typische Größenordnungen von etwa fünf bis zehn Prozent des Kaufpreises pro Jahr. Ungeplante Reparaturen können darüber hinaus erhebliche Zusatzkosten verursachen.
Bei älteren Yachten kann dieser Punkt deshalb zum entscheidenden Kostenfaktor werden.
Treibstoff: Entscheidend ist die Nutzung
Bei den Treibstoffkosten lässt sich kaum eine seriöse allgemeine Jahressumme nennen.
Eine Yacht, die große Teile des Jahres im Hafen oder vor Anker liegt, verursacht völlig andere Kosten als ein Schiff, das im Sommer im Mittelmeer und im Winter in der Karibik eingesetzt wird.
Neben den Hauptmotoren benötigen auch Generatoren Energie. Sie versorgen beispielsweise Klimaanlagen, Küche, Beleuchtung und die zahlreichen elektrischen Systeme an Bord.
Deshalb bestimmen Fahrleistung, Geschwindigkeit, Yachtgröße und Motorisierung wesentlich den tatsächlichen Verbrauch.
Liegeplätze können ein Vermögen kosten
Auch eine Superyacht benötigt einen Parkplatz – und der kann in begehrten Häfen ausgesprochen teuer werden.
Die Kosten hängen unter anderem von Länge und Breite der Yacht, Saison, Hafen und Aufenthaltsdauer ab.
Besonders begehrte Marinas in klassischen Luxusdestinationen können während der Hauptsaison einen erheblichen Teil des Jahresbudgets verschlingen.
Zusätzlich können Hafen-, Agentur-, Versorgungs- und Nebengebühren entstehen.
Versicherung: schon der Prozentsatz wird teuer
Bei einem Vermögenswert von mehreren Millionen Euro spielt die Versicherung eine entsprechend große Rolle.
Nach Angaben von Fraser können umfassende Yachtversicherungen ungefähr 0,5 bis zwei Prozent des Schiffswerts pro Jahr kosten.
Bei einer Yacht im Wert von 20 Millionen Euro entspräche dies rechnerisch bereits etwa 100.000 bis 400.000 Euro jährlich.
Der tatsächliche Beitrag hängt unter anderem von Wert, Alter, Zustand, Fahrtgebiet, Versicherungsschutz und bisheriger Schadenhistorie ab.
Große Refits kommen zusätzlich
Selbst eine perfekt gepflegte Yacht bleibt technisch und optisch nicht dauerhaft auf demselben Stand.
In regelmäßigen Abständen werden umfangreiche Überholungen notwendig. Dabei können beispielsweise Maschinen überholt, Elektronik erneuert, Innenräume modernisiert oder Außenbereiche neu gestaltet werden.
Bei großen Superyachten können solche sogenannten Refits mehrere Millionen Euro kosten.
Fraser nennt als typische Größenordnung für umfangreichere Refits einen Abstand von etwa fünf bis sieben Jahren. Vorausschauende Eigentümer berücksichtigen deshalb entsprechende Rücklagen bereits im laufenden Jahresbudget.
Beispiel: Eine Superyacht für 20 Millionen Euro
Nehmen wir als vereinfachtes Rechenbeispiel eine Yacht mit einem Kaufpreis von 20 Millionen Euro.
Nach der Branchenfaustregel von 10 bis 15 Prozent wären jährlich ungefähr zwei bis drei Millionen Euro für den Betrieb einzuplanen.
Bei durchschnittlich 2,5 Millionen Euro pro Jahr ergeben sich:
Nach einem Jahr: 2,5 Mio. Euro Betriebskosten
Nach fünf Jahren: 12,5 Mio. Euro Betriebskosten
Nach zehn Jahren: 25 Mio. Euro Betriebskosten
Der ursprüngliche Kaufpreis von 20 Millionen Euro wäre damit nach zehn Jahren von laufenden Ausgaben übertroffen.
Zusammen mit dem Kaufpreis hätte der Eigentümer in diesem stark vereinfachten Beispiel bereits rund 45 Millionen Euro ausgegeben – ohne Finanzierungskosten und ohne Berücksichtigung von Wiederverkaufswert, Wertverlust, Steuern oder außergewöhnlichen Reparaturen.
Genau deshalb sagt der Kaufpreis einer Superyacht nur einen Teil darüber aus, wie viel Vermögen für ihren Besitz tatsächlich erforderlich ist.
Kann Charter den Unterhalt finanzieren?
Viele Eigentümer vermieten ihre Yacht zeitweise, wenn sie sie selbst nicht nutzen.
Chartereinnahmen können einen Teil der laufenden Kosten kompensieren. Eine Garantie, dass sich eine Yacht dadurch selbst finanziert, gibt es allerdings nicht.
Größe, Ausstattung, Alter, Saison, Fahrtgebiet und Nachfrage entscheiden darüber, welche Charterpreise erreichbar sind und wie viele Wochen tatsächlich gebucht werden.
Zudem entstehen durch Charterbetrieb zusätzliche Nutzung und organisatorischer Aufwand.
Für manche Eigentümer ist Charter daher weniger ein Geschäftsmodell als vielmehr eine Möglichkeit, einen Teil der ohnehin entstehenden Kosten auszugleichen.
Kaufen oder chartern?
Wer lediglich einige Wochen pro Jahr auf einer Superyacht verbringen möchte, steht deshalb vor einer interessanten Rechnung.
Beim Charter bezahlt der Gast einen hohen Wochenpreis, trägt aber nicht dauerhaft die Kosten für Crew, Wartung, Versicherung und technische Instandhaltung.
Zum Charterpreis kommen allerdings weitere Ausgaben. Branchenüblich wird beispielsweise eine sogenannte Advance Provisioning Allowance (APA) erhoben, aus der während der Reise unter anderem Treibstoff, Lebensmittel und Hafengebühren bezahlt werden. Je nach Anbieter und Reise kann diese Größenordnung ungefähr 30 bis 40 Prozent des Charterpreises erreichen.
Eigentum bietet dagegen maximale Freiheit: Die Yacht kann nach eigenen Vorstellungen ausgestattet werden und steht – abgesehen von Wartungszeiten oder einer möglichen Charterbelegung – für die persönliche Nutzung zur Verfügung.
Wirtschaftlich sind Kauf und Charter deshalb zwei vollkommen unterschiedliche Modelle.
Fazit: Der wahre Luxus beginnt nach dem Kauf
Eine Superyacht für 20 Millionen Euro zu kaufen bedeutet nicht, 20 Millionen Euro für eine Yacht auszugeben.
Über viele Jahre betrachtet können die laufenden Kosten den ursprünglichen Kaufpreis deutlich übersteigen.
Crew, Wartung, Liegeplätze, Treibstoff, Versicherung und regelmäßige Refits machen den dauerhaften Besitz zu einem Luxus, der weit über den Anschaffungspreis hinausgeht.
Genau das unterscheidet eine Superyacht von vielen anderen Luxusgütern: Nicht allein der Kauf demonstriert finanzielle Möglichkeiten – sondern vor allem die Fähigkeit, das Schiff über Jahre auf höchstem Niveau zu betreiben.
