Elektroautos kämpfen in Teilen des Marktes mit schwächerer Nachfrage – doch ganz oben in der Luxusklasse gelten offenbar andere Regeln. Der Ferrari Luce kostet rund 550.000 Euro und ist damit eines der teuersten Elektroautos der Welt. Trotzdem soll Ferrari sein Verkaufsziel für 2026 bereits innerhalb weniger Wochen erreicht haben.
Nach einem Bericht der Financial Times, auf den sich auch Reuters beruft, plante Ferrari für 2026 den Verkauf von knapp 500 Exemplaren. Dieses Kontingent soll bereits weniger als zwei Monate nach der Vorstellung des Fahrzeugs vergeben gewesen sein.
Ferrari selbst bestätigte diese konkrete Stückzahl damals allerdings nicht.
550.000 Euro für Ferraris ersten Stromer
Der Luce markiert einen historischen Einschnitt für den Sportwagenhersteller aus Maranello: Es handelt sich um Ferraris erstes vollständig batterieelektrisches Serienmodell.
Und Ferrari geht dabei einen ungewöhnlichen Weg.
Statt eines klassischen zweisitzigen Supersportwagens ist der Luce als viertüriges Fahrzeug mit fünf Sitzplätzen konzipiert. Damit soll er nicht nur traditionelle Ferrari-Kunden ansprechen, sondern auch neue Käufergruppen erreichen.
Der Einstiegspreis von rund 550.000 Euro macht allerdings deutlich, dass Ferrari trotz des neuen Antriebskonzepts nicht auf Masse setzt.
Mehr als 1.000 PS ohne V12
Technisch entfernt sich der Luce deutlich von klassischen Ferrari-Modellen.
Vier Elektromotoren liefern zusammen mehr als 1.000 PS. Die Energie stammt aus einer Batterie mit rund 122 kWh Kapazität.
Ferrari nennt eine Reichweite von mehr als 530 Kilometern.
Von 0 auf 100 km/h soll der Luce in ungefähr 2,5 Sekunden beschleunigen.
Auch bei der Ladetechnik setzt Ferrari auf hohe Leistungswerte: Eine 880-Volt-Architektur ermöglicht Ladeleistungen von bis zu rund 350 kW.
Design sorgte für heftige Diskussionen
Kaum ein Ferrari der vergangenen Jahre hat bereits bei seiner Vorstellung derart polarisiert.
Der Luce unterscheidet sich deutlich von den flachen und aggressiv gezeichneten Sportwagen, für die Ferrari bekannt ist.
An der Gestaltung waren unter anderem die Designer Jony Ive und Marc Newson beteiligt.
Ive wurde vor allem als langjähriger Chefdesigner von Apple bekannt und war maßgeblich an Produkten wie iPhone, iPad und Mac beteiligt.
Ferrari versucht mit dem Luce entsprechend nicht einfach, einen bekannten Sportwagen mit einem Elektroantrieb auszustatten. Das Unternehmen will ein eigenständiges Produkt schaffen.
China wird zum wichtigen Markt
Besonders interessant ist, woher die Nachfrage kommen soll.
Nach den Berichten spielte China eine wichtige Rolle bei den frühen Bestellungen.
Damit könnte Ferrari genau jene wohlhabende Kundengruppe erreichen, die mit leistungsstarken Elektroautos bereits wesentlich vertrauter ist als viele traditionelle Sportwagenkäufer in Europa.
Auch Kunden aus technologiegeprägten Regionen wie dem Silicon Valley gelten als wichtige Zielgruppe.
Der Luce könnte damit nicht nur Ferraris Antrieb verändern, sondern auch die Zusammensetzung der Kundschaft.
Luxus funktioniert anders als der Massenmarkt
Genau darin liegt die eigentlich spannende Geschichte.
Während große Autohersteller bei Elektroautos enorme Stückzahlen benötigen, um Entwicklung und Produktion wirtschaftlich zu machen, verfolgt Ferrari ein völlig anderes Geschäftsmodell.
Wenige Fahrzeuge, extrem hohe Preise und künstlich begrenzte Verfügbarkeit gehören seit Jahrzehnten zur Strategie des Unternehmens.
Bei einem Preis von rund 550.000 Euro würden bereits 500 Fahrzeuge rechnerisch für einen möglichen Fahrzeugwert von rund 275 Millionen Euro stehen – noch bevor zusätzliche Individualisierungen berücksichtigt werden.
Ferrari-Kunden geben für Sonderlackierungen, Materialien und individuelle Ausstattungen teilweise erhebliche zusätzliche Beträge aus.
Elektro wird im Luxussegment zum Experimentierfeld
Ferrari ist mit dieser Frage nicht allein.
Auch Bentley hat inzwischen sein erstes vollelektrisches Modell vorgestellt. Gleichzeitig gehen andere Hersteller vorsichtiger vor oder halten bewusst länger an Verbrennern und Hybridantrieben fest.
Gerade bei Supersportwagen ist der Verbrennungsmotor schließlich weit mehr als eine technische Komponente. Klang, Schaltvorgänge und Motorcharakter gehören für viele Kunden zum Erlebnis.
Ferrari versucht deshalb, Elektromobilität nicht als günstigere oder vernünftigere Alternative zu verkaufen.
Der Luce soll stattdessen genauso exklusiv, selten und emotional positioniert werden wie die übrigen Fahrzeuge der Marke.
Ein 550.000-Euro-Test für die gesamte Luxusbranche
Ob sich dieses Konzept langfristig durchsetzt, wird sich erst zeigen, wenn größere Stückzahlen elektrischer Luxusautos auf dem Markt sind.
Die bisher berichtete Nachfrage nach dem Ferrari Luce liefert jedoch einen bemerkenswerten Hinweis.
Im absoluten Luxussegment scheint die Frage nicht unbedingt zu lauten, ob ein Elektroauto 550.000 Euro kosten darf.
Entscheidender könnte sein, ob Hersteller es schaffen, aus neuer Technik ein ebenso begehrtes und knappes Luxusprodukt zu machen wie aus einem klassischen V8- oder V12-Sportwagen.
Der Ferrari Luce wird damit zu einem der spannendsten Experimente der gesamten Luxusautoindustrie.
