Mode

167 Milliarden Dollar weg: Luxusgigant LVMH erlebt dramatischen Börsenabsturz

Es ist eine Zahl, die selbst für den weltgrößten Luxuskonzern gewaltig ist: LVMH hat seit Beginn des Jahres 2026 mehr als 167 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren. Die Aktie des Konzerns hinter Louis Vuitton, Dior, Bulgari, Tiffany & Co., TAG Heuer, Moët & Chandon und zahlreichen weiteren Luxusmarken ist seit Jahresbeginn rund 40 Prozent gefallen.

Noch vor drei Jahren schrieb der Konzern Börsengeschichte. LVMH wurde damals als erstes europäisches Unternehmen überhaupt mit mehr als 500 Milliarden US-Dollar bewertet.

Davon ist inzwischen weniger als die Hälfte übrig.

Louis Vuitton und China werden zum Problem

Ausgerechnet zwei Säulen, die LVMH über Jahre außergewöhnlich erfolgreich gemacht haben, entwickeln sich inzwischen zu einem Risiko: Louis Vuitton und der chinesische Luxusmarkt.

Ein großer Teil des Gewinns von LVMH stammt aus dem Bereich Mode und Lederwaren. Dazu gehören unter anderem Louis Vuitton, Dior, Fendi und Loro Piana.

Nach Schätzungen der Schweizer Großbank UBS könnte Louis Vuitton allein sogar für mehr als die Hälfte des Gewinns dieses Geschäftsbereichs verantwortlich sein.

Gleichzeitig spielt Asien eine enorme Rolle. 2025 erwirtschaftete die Sparte 35 Prozent ihres Umsatzes in Asien außerhalb Japans. In den USA waren es lediglich 18 Prozent.

Chinesische Konsumenten sollen Schätzungen zufolge für fast ein Drittel der Verkäufe der Mode- und Ledersparte verantwortlich sein.

Luxuskunden kaufen anders

Dabei scheint das grundsätzliche Interesse an Luxus keineswegs verschwunden zu sein.

Vielmehr verändert sich offenbar, wofür wohlhabende Kunden ihr Geld ausgeben.

Besonders deutlich zeigt sich das beim Schmuck. Richemont, zu dessen Marken Cartier und Van Cleef & Arpels gehören, konnte mit seinen Schmuckhäusern zuletzt kräftig wachsen.

Auch innerhalb von LVMH entwickelte sich dieser Bereich vergleichsweise stark. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die organischen Umsätze der Sparte Uhren und Schmuck um elf Prozent. Tiffany und Bulgari erzielten dabei zweistellige Wachstumsraten.

Hochwertiger Schmuck wird von manchen Käufern offenbar stärker als langlebiger Wertgegenstand wahrgenommen.

Bei sehr teuren Handtaschen könnte dagegen eine Grenze erreicht sein.

Luxuspreise sind massiv gestiegen

Über Jahre konnten die großen Luxusmarken ihre Preise immer weiter erhöhen.

Nach Berechnungen von HSBC stiegen die Preise für Luxusprodukte zwischen Ende 2019 und September 2024 durchschnittlich um rund 54 Prozent.

Die Strategie funktionierte lange hervorragend. Der Umsatz von LVMH wuchs zwischen 2019 und 2023 von 54 Milliarden auf 86 Milliarden Euro.

Doch inzwischen reagieren Kunden empfindlicher auf weitere Preissteigerungen. Entscheidend wird zunehmend die Frage, ob ein Produkt seinen hohen Preis aus Sicht der Käufer tatsächlich rechtfertigt.

Andere Luxusmarken reagieren bereits darauf.

Gucci soll die Preise verschiedener Handtaschenlinien teilweise um 20 bis 30 Prozent reduziert haben. Chanel bietet gleichzeitig neue Lederhandtaschen unterhalb des Preisniveaus seiner klassischen gesteppten Modelle an.

Bernard Arnault will Luxus nicht einfach billiger machen

LVMH-Chef Bernard Arnault verfolgt bislang einen anderen Ansatz.

Statt Louis Vuitton und andere Marken über deutliche Preisnachlässe wieder für eine größere Kundengruppe erreichbar zu machen, setzt der Konzern stärker auf Begehrlichkeit, neue Produkte, kreative Erneuerung und spektakuläre Geschäfte.

Doch Analysten diskutieren inzwischen, ob LVMH seine Preisstrategie zumindest teilweise überdenken muss.

Ein Rechenbeispiel von Bernstein zeigt die Dimension: Eine hypothetische Louis-Vuitton-Tasche für 1.350 Euro könnte nach den Berechnungen zusätzliche Verkaufszahlen erzeugen und dem Unternehmen trotz eines leicht sinkenden durchschnittlichen Verkaufspreises mehrere hundert Millionen Euro zusätzlichen Umsatz bringen.

Ob LVMH tatsächlich diesen Weg einschlägt, bleibt offen.

Das Geschäft selbst ist keineswegs zusammengebrochen

Der massive Verlust an Börsenwert darf allerdings nicht mit einem entsprechenden Einbruch des Unternehmens verwechselt werden.

LVMH erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 38,6 Milliarden Euro und einen wiederkehrenden operativen Gewinn von 8,7 Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Umsatzwachstum sogar auf drei Prozent.

Vor allem die USA entwickelten sich positiv. Gleichzeitig zeigten sich auch in Asien zuletzt wieder Verbesserungen.

Das Problem der Börse liegt deshalb vor allem in den Erwartungen an die zukünftige Entwicklung.

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Vor wenigen Jahren galt LVMH als nahezu perfekte Luxusmaschine: steigende Preise, enorme Margen, wachsende Nachfrage aus China und eine der wertvollsten Markenwelten der Welt.

Jetzt muss Bernard Arnault beweisen, dass dieses Modell auch in einem veränderten Luxusmarkt funktioniert.

Louis Vuitton bleibt eine der bekanntesten Luxusmarken der Welt, während Dior und Loro Piana zuletzt vergleichsweise gut abschnitten. Doch die starke Abhängigkeit von einer einzelnen Marke und von chinesischen Luxuskunden könnte für LVMH noch länger zur Belastung werden.

Der Verlust von mehr als 167 Milliarden Dollar Börsenwert innerhalb eines Jahres zeigt jedenfalls, wie radikal sich die Stimmung rund um den einstigen Börsenliebling verändert hat.

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